Trauerbegleitung

Definition von Trauer

Trauer ein tiefer seelischer Schmerz, den man z. B. empfindet, wenn ein geliebter Mensch stirbt oder wenn man von jemandem schwer enttäuscht wurde. Trauer geht normalerweise einher mit dem Gefühl von Traurigkeit über den Verlust. Es wird oft auch Wut empfunden, wichtig ist dieser auch Raum zu geben. Es könnte zum Beispiel die Wut über den Tod der Ehefrau sein, von der man sich allein gelassen fühlt. Oder Wut auf Mediziner, die den schwerkranken Partner nicht mehr retten konnten. Die Anfangsphase der Trauer kann auch einhergehen mit Schuldgefühlen, Angst, Einsamkeit und Hilflosigkeit.

Die vier Phasen des Trauerprozesses bei Erwachsenen nach Parkes und Bowlba, Sanders u.a.:)

Sie beschreiben vier Phasen der Trauer:

  • Die erste Phase ist die Zeit des Nicht-wahrhaben-Wollens, unmittelbar nach dem Verlust eines geliebten Menschen. Es wird für kurze Zeit der Verlust ausgeblendet, da es noch so unfassbar ist.
  • Die zweite Phase, ist die Phase der Sehnsucht, in der die verstorbene Person wieder herbeigesehnt wird, es wird versucht die Endgültigkeit des Verlustes auszublenden. In dieser Phase kommt oft Wut auf über das Schicksal.
  • Die Phase drei ist oft geprägt von Desorganisation und Verzweiflung. Den Trauernden fällt es oft schwer den Alltag zu bewältigen, sich neu zu organisieren und zu strukturieren.
  • In der vierten Phase versuchen die Betroffenen den Verlust zu integrieren und sich wieder in der Welt zurechtzufinden.

Die Phasen können sich überlappen, sind nicht voneinander zu trennen, helfen jedoch den Trauernden im Prozess der Trauer auch wieder zurückzufinden zur Heilung und zum „normalen“ Lebensalltag. Sie müssen die Phasen nicht passiv über sich ergehen lassen, sondern können sie aktiv gestalten. Es handelt sich nach (Stroebe) aber um echte „Trauerarbeit“.

Die Traueraufgaben (Worden, W.J.; 2011)

Eine wichtige und erste Aufgabe ist es den Verlust des geliebten Menschen als Realität anzuerkennen. Am Anfang kann es mit Gefühlen einhergehen, den Verstorbenen noch zu fühlen, zu sehen, oder Personen zu sehen, die ihn an den Verstorbenen erinnern. Wenn sich Menschen weigern, den Tod der geliebten Person als Realität anzuerkennen, bleiben sie schon in der ersten Phase des Trauerprozesses stecken (so Worden, 2011). Manchmal lassen Eltern über Jahre das Zimmer des verstorbenen Kindes unangerührt, dies deutet auf eine Verleugnung der Realität hin, dass das Kind gestorben ist. Traditionelle Rituale, wie die Beerdigung helfen Trauernden die Realität zu erleben und nach und nach zu akzeptieren. Kann eine Beerdigung nicht stattfinden, weil der Leichnam des Toten nicht auffindbar ist, sollte ein Ritual gefunden werden zu verinnerlichen, was geschehen ist.

Bei der zweiten Traueraufgabe gilt es den Schmerz zu verarbeiten, ihn zuzulassen und zu durchleben und die Zuversicht zu entwickeln, dass er weniger werden wird . Sie dürfen sich die Zeit nehmen und müssen kein Vermeidungsverhalten an den Tag legen, was vielleicht nach einer gewissen Zeit das soziale Umfeld von ihnen erwarten könnte. Durch permanentes Ablenken, rastloses umherreisen, fliehen vor den Gefühlen, damit der Schmerz nicht gespürt werden muss, kann sich die Phase verlängern oder sogar dazu führen, das der Schmerz ein Leben lang unverarbeitet bleibt. Das kann auch zu einem körperlichen Zusammenbruch führen und in einer Form der Depression enden. (Bowlby, 1980).

In der dritten Traueraufgabe muss die Anpassung an eine Welt ohne den Verstorbenen geleistet werden. Dazu unterscheidet Woden in externe Anpassung. Der Trauernde muss sich auf eine veränderte Welt ohne den Verstorbenen einstellen. Das kann bedeuten, dass er verschiedene Rollen, die der Partner vorher übernommen hatte, jetzt selbst übernehmen muss und ihm dies nach und nach erst richtig bewusst wird. Bei Familien kann es auch bedeuten, wenn der Ehemann verstorben ist und hauptsächlich für den Lebensunterhalt gesorgt hat, dass es jetzt die Ehefrau alleine schaffen muss, sowie die Erziehung der Kinder jetzt komplett nur noch ihr obliegt etc. Es geht also einher mit einer Anpassung an neue Aufgaben. Der Verlust kann dem Ehepartner auch Aspekte abverlangen, die ihn weiterbringen und stärken bei seiner neuen Sinnfindung.

Zur internen Anpassung gehört „ …das Gefühl für das eigene Selbst neu zu finden.“ (Worden) Der Tod eines Partners kann auch mit einem gewissen Selbstverlust einhergehen, jetzt Witwer oder Witwe zu sein. Es ist wichtig sich nicht nur als Teil einer Zweierbeziehung zu fühlen sondern sich selbst zu fühlen, sich selbst zu wertschätzen.

Die spirituelle Anpassung bezieht sich auf die Gefühle für die Welt. Beim Verlust eines Partners oder Kindes kann die Grundlage über die Sichtweise der Welt erschüttert werden. Es kommen oft Fragen auf über den Sinn des Lebens, Wertvorstellungen werden in Frage gestellt. Auf der Suche nach dem Sinn des Verlustes versuchen die Hinterbliebenen Kontrolle über das eigene Leben zurückzugewinnen. Wenn keine Anpassung erfolgt, bleiben sie in dem Dilemma stecken.

Die vierte Traueraufgabe besteht darin, sich neu zu verorten, das bedeutet dem Verstorbenen einen neuen, angemessenen Platz zu geben, um mit ihm in Verbindung bleiben zu können aber sich auch wieder zu öffnen für das eigene Leben. Das bedeutet, der Trauerprozess wird langsam abgeschlossen, wobei die Dauer unterschiedlich sein kann, aber die Hinterbliebenen sind in der Lage selbst positiv weiterzuleben. Eine nicht erfüllte Trauerarbeit bedeutet, dass es dem Betroffenen nicht gelingt zu leben und er an der alten Beziehung festhält und nicht offen ist für neue Bindungen. Nicht alle Menschen trauern auf die gleiche Art und Weise und es ist auch ganz wichtig die Phasen nur als Anhaltspunkte zu sehen und nicht generell zu verallgemeinern.

Marlies Pasquale

Marlies Pasquale
Dipl.- Pädagogin / Counselor grad. BVPPT

Qualifizierung zum systemischen Coach nach den Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Coaching e.V. (DGfC)

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